Welcher kreative Denker-Typ bist du?
Kreativität ist kein einfaches Stichwort. Der Psychologe J. P. Guilford fand schon in den 1950er Jahren heraus, dass dabei mindestens zwei verschiedene kognitive Prozesse ablaufen: divergentes Denken, das unzählige Möglichkeiten ausspuckt, und konvergentes Denken, das diese Flut wieder eindämmt und die brauchbarste Idee herauspickt. Bei echter kreativer Arbeit braucht man meistens beides. Wem was leichter fällt, ist Typsache – und das zeigt sich jeden Tag, wenn wir Probleme lösen.
Dieses Quiz mit 20 Fragen ordnet dich auf vier Dimensionen ein: wie du Ideen erkundest, wie du sie kombinierst, wie du an ihnen feilst und wie du sie auf Herz und Nieren prüfst. Dauert etwa vier Minuten. Die Kombination ergibt am Ende einen Archetypen, aber dein Profil – also deine relativen Stärken in diesen vier Bereichen – sagt viel mehr aus als nur ein schickes Label.
Übrigens musst du nicht in einer Kreativagentur arbeiten, damit das hier spannend für dich ist. Einen tropfenden Wasserhahn reparieren, den Terminplan umschmeißen, wenn plötzlich drei Dinge gleichzeitig passieren, oder eine unangenehme E-Mail formulieren – all das fordert genau dieselben grundlegenden Fähigkeiten.
Was dieses Quiz misst
Vier kognitive Spielzüge. Ideenfindung: eine ganze Reihe von Möglichkeiten ausspucken, wenn man vor einem offenen Problem steht. Kombination: Ideen aus völlig unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben. Feinschliff: eine vielversprechende Rohidee nehmen und sie zu etwas formen, das auch in der Realität funktioniert. Stresstest: die kleinen Macken bemerken und ausbügeln, bevor es jemand anderes tut.
Leute, die bei der Ideenfindung abräumen, aber beim Feinschliff schwächeln, neigen dazu, viele Projekte anzufangen, aber nur wenige zu Ende zu bringen. Wer beim Feinschliff punktet, aber bei der Ideenfindung hinterherhinkt, kann Vorhandenes wunderschön aufpolieren – gerät aber ins Stocken, wenn er etwas komplett aus dem Nichts erschaffen soll. Das typische Klischee vom "Kreativen" wirft einfach alle vier Fähigkeiten in einen Topf; im echten Leben treten sie aber oft getrennt auf.
Beispielfragen
- Du versuchst, ein Problem auf der Arbeit zu lösen, das noch niemand knacken konnte. Dein erster Instinkt ist...
- Ich liste alle denkbaren Ansätze auf, egal wie verrückt sie klingen.
- Ich schaue mir an, was schon probiert wurde, und baue auf dem auf, was fast funktioniert hätte.
- Ich hinterfrage erst mal, warum alle glauben, das Problem müsste genau auf diese Weise gelöst werden.
- Ich überlege, wo ich ein ähnliches Muster schon mal in einem völlig anderen Bereich gesehen habe.
- Wenn du jemandem eine Idee erklärst, der sie nicht sofort versteht, dann...
- Erkläre ich sie auf zehn verschiedene Arten, bis eine davon zündet.
- Dampfe ich sie auf ihre einfachste, präziseste Form ein.
- Zeige ich der Person, welches Problem die Idee löst – ein Problem, von dem sie noch gar nicht wusste, dass sie es hat.
- Nutze ich eine Analogie aus ihrer Welt, damit es sofort Klick macht.
- Du musst dich in ein dir völlig unbekanntes Fachgebiet einarbeiten. Wie tauchst du ein?
- Ich schaue mich in alle Richtungen um und sauge alles auf, bevor ich mir eine Meinung bilde.
- Ich suche mir die allerbeste Quelle und eigne mir erst mal die absoluten Grundlagen an.
- Ich schaue mir an, was die Experten in diesem Bereich kollektiv falsch machen.
- Ich vergleiche es mit Themen, die ich schon kenne, und lerne durch Parallelen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- Guilford, J. P. (1967). The Nature of Human Intelligence. McGraw-Hill. The source for divergent vs convergent thinking.
- Runco, M. A., & Jaeger, G. J. (2012). The standard definition of creativity. Creativity Research Journal, 24(1), 92–96.
- de Bono, E. (1970). Lateral Thinking: Creativity Step by Step. Harper & Row.